Verdienstvolle Mitglieder

Nachruf auf Dipl.Ing. Hubert Jockwitz

 

 

 

 

 

 

 

Die Mitglieder des Flugvereins Aeroclub „Melli Beese“ e.V. und Freunde des Luftsportver-eins Werneuchen trauern um unser Mitglied, Fluglehrer, Ausbildungsleiter und leiden-schaftlichen Piloten.
Hubert Jockwitz, am 14.01.1936 in Osterode / Ostpreußen geboren, erlebte als Junge über sich den „Giganten“ hinwegfliegen. Aus dieser Faszination wurde eine Passion fürs Leben. Er wollte unbedingt Pilot werden!

Es kam erst ganz anders:
Im Januar 1945 begann die hastige Flucht – immer knapp vor der Front in Richtung Westen – an der Mutterhand rechts, links die beiden Schwestern über das vereiste Frische Haff.

Kyritz an der Knatter wurde die neue Heimat.

1959 Abschluss als Vermessungsingenieur, danach Eintritt in die GST Segelflugsport. Hier lernte Hubert 1967 seine Fliegerfrau Christina kennen und ihre gemeinsame Tochter wurde geboren. Beide verfolgten jetzt ihre Passion und wurden in den 70iger Jahren Segelflug-lehrer. Dazu erwarb Hubert noch den Abschluss als Bauingenieur.

Allerdings erfolgte mit der Absicht zum Motorflug zu kommen, die totale Flugsport-sperrung 1982. West-Verwandte erwiesen sich in der Ex-DDR als Nachteil.

Die Leidenschaft für das Fliegen war aber nicht zu bremsen und die Familie stellte den Aus-reiseantrag in die BRD. Inzwischen in Berlin wohnend, war damit die berufliche Karriere beendet und die letzten 2 ½ Jahre bis zur tatsächlichen Ausreise Ende 1987, war Hubert in Pankow als Friedhofsarbeiter tätig.

In West-Berlin arbeitete er schnell wieder in beiden Berufen und natürlich flogen Hubert und Christina gleich wieder in Braunschweig Waggum. Es folgte die Erweiterung auf Motorflug und Motorsegler.

1991 zog die Familie nach Werneuchen und flogen vor allem dort und in Eggersdorf. Berühmt ist ihr Troikaschlepp mit Wilga. Hubert und seine Fliegerfrau waren auf vielen Plätzen, auch bei Segelflugmeisterschaften, gern gesehene Wilga – Schlepppiloten im Ehrenamt.

6 Jahre begleitete Hubert uns im Verein „Melli Beese“ als Ausbildungsleiter für unsere TMG – Fliegerei.

Nach schwerer Krankheit hat er am 13.11.2017 seinen letzten Flug angetreten. Ein Flieger-leben wie noch selten ist zu Ende. Hubert bleibt uns ein Vorbild. Mit einem Überflug zahl-reicher Maschinen am Aussegnungstag haben wir Abschied genommen.
                                                                                                                                                               Tasso Krewel

 

Nachruf Günther Müssig: aktiver Sportler, langjähriger Funktionär

Im Alter von 86 Jahren verstarb Mitte Dezember Günther Müssig, erfolgreicher Freiflieger, langjähriger Funktionär, mehrfach von DAeC und BWLV ausgezeichnet, Ehrenmitglied der DAeC Bundeskommission Modellflug, kurz ein Urgestein des deutschen Freiflugs.

Mit 12 Jahren begann er in der Modellflug-Sportgruppe des FSV Weinheim mit dem Freiflug und war bis 1989 auf Wettbewerben aktiv. Er errang zahlreiche Titel auf deutschen Meister-schaften in der Seglerklasse F1A und war viermal Mitglied der deutschen Nationalmann-schaft auf Welt- und Europameisterschaften.

Als Schreinermeister war er bei Bölkow in Laupheim maßgeblich an der Einführung der GFK-Technik im Flugzeugbau, sowie am Bau der Phönix- und Phöbus-Segelflugzeuge beteiligt. Hier konnte er von seinen beruflichen Kenntnissen und seiner Erfahrung beim Bau von Flugmodellen wechselweise profitieren. Später arbeitete er in der Fertigung von Innenausbauteilen für Airbus.

Von 1960 bis 2014 war Günther Müssig Mitglied im Modellflug-Fachausschuss des BWLV, lange Zeit als stellvertretender Vorsitzender. Im Freiflug-Sportausschuss des DAeC war er über viele Jahre aktiv, hier für zwei Jahre als Vorsitzender. Er war langjähriger Geländegutachter und Betreuer zahlreicher BWLV-Messeauftritte. Es war ihm wichtig, seine Aufgaben bestens zu erfüllen und kein Amt ohne einen Nachfolger aufzugeben. Immer wenn es irgendwo „klemmte“, war er bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Er war erfolgreicher Organisator von großen Wettbewerben auf Bundesebene, darunter 8 deutsche Meisterschaften und 13 Jugend-Meisterschaften. Weiter machte er sich verdient als Mannschaftführer oder –Betreuer der Freiflug-Nationalteams auf Welt- und Europameisterschaften. Für sein überaus großes, ehrenamtliches Engagement wurde er mehrfach geehrt, zuletzt vom BWLV mit der goldenen Wolf-Hirth-Medaille 2006 und 2015 vom DAeC mit der Daidalos-Medaille in Gold.

Durch seine Lungenkrankheit hatte er viel Erfahrung im Umgang mit Ärzten und Kranken-häusern und war immer bereit, wenn ein anderer Luftsportler ernsthaft erkrankte, ihn mit guten Ratschlägen zu unterstützen. Während seiner als Sportler aktiven Zeit, war er sehr engagiert. Legendär ist seine Reaktion, als sein Modell bei einem wichtigen Wettbewerb versagte und er dies dem Höhenleitwerk zuschrieb. Mit einem energischen Griff zerdrücke er das Bauteil und zündete es an mit dem Kommentar: „des reut mi nimmer“. Als Wettbe-werbsleiter war er anfangs bekannt für seine harte Line, im Laufe der Jahre wurde er je-doch nachsichtiger und traf seine Entscheidung mehr aus der Sicht der Sportler. Als Aktivensprecher hatte ich einige Diskussionen mit ihm, auch manche heftige. Ich habe an ihm aber immer bewundert, dass er nie nachtragend war. Wenn die Sache ausgestanden war, blieb nichts zurück.
Wir verlieren einen immer hilfsbereiten, verlässlichen und hoch verdienten Freiflieger.

Text: Bernhard Schwendemann

 

Nachruf: Horst Rakowski

  1. Januar 1937 bis 8. Februar 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uns erreichte die traurige Nachricht vom Ableben von Horst Rakowski. Zu seiner Zeit war er ein sehr bekannter Segelflieger in der DDR und er machte nicht nur als Fluglehrer und Techniker, sondern auch fliegerisch mit außergewöhnlichen Leistungen auf sich und unseren Sport aufmerksam. So ist er der erste Inhaber der Gold-C mit drei Diamanten in der DDR. Am 23. Mai 1961 flog er mit einer Lom 58/I Libelle-Standard in 8:37 Stunden 520 km von Stalinstadt (heute Eisenhüttenstadt) nach Mielec in Polen und erzielte damit gleich zwei DDR-Rekorde in den Kategorien Zielstrecke und Freie Strecke. Das war nicht nur sein zweiter Diamant, sondern auch der erste 500-km-Diamant in der DDR. Seinen ersten Diamanten hatte „Atze“, wie er von allen genannt wurde, am 4. Mai 1960 erworben, als er auf einer Lom 57 Libelle das 334-km-Dreieck Eggersdorf – Riesa – Neuhausen – Eggersdorf bewältigte. Den dritten Diamanten erhielt er für einen ebenfalls außergewöhnlichen Flug wiederum auf der Lom 58/I Libelle-Standard. Am 5. Juni 1961 stieg er, ausgerüstet mit einem tragbaren Sauerstoffgerät, über Stalinstadt in einer Wolke auf 5600 m Höhe mit einem Höhengewinn von 5120 m. Das waren damals sensationelle Flüge.

Der einzige Weltrekordversuch in der DDR wurde neben einer Foka 4 auf einer SZD-24C Foka unternommen. Am 20. Juni 1965 schrieben die beiden Eisenhüttenstädter Horst Rakowski und Bernd Nolte – er flog die SZD-24-4A Foka 4 – eine 750 km lange Zielstrecke von Schönhagen nach Polen bis fast an die sowjetische Grenze aus. Der Start erfolgte um 9.00 Uhr, und bereits eine Stunde später passierten die beiden Fokas die Stahlwerkerstadt unweit der polnischen Grenze. In der Nähe von Leszno verschlechterten sich die Bedingungen, wurden danach aber wieder besser. Dennoch war die verloren gegangene Zeit nicht mehr aufzuholen. Bernd Nolte landete nach 645 km, Horst Rakowski flog in der Abendthermik noch bis fast an die 700-km-Grenze heran. Nach 8:05 Stunden hatte er genau 691,5 km zurückgelegt.

Allerdings hätten auch die 750 km nicht mehr als Weltrekord gegolten. Da der Erwerb von westlichen Publikationen den meisten Bürgern in der DDR verwehrt blieb, war den DDR-Auswahlfliegern entgangen, dass der 1960 von Michail Weretjennikow auf Antonow A-15 (UdSSR) aufgestellte Zielstreckenweltrekord über 714 km ein Jahr vor ihrem Flug von einem Amerikaner in den USA – mit Wetterbedingungen, die nicht vergleichbar mit europäischen Verhältnissen sind – auf 837 km geschraubt worden war. Aber ein über die DDR-Grenzen hinaus Aufsehen erregender Landesrekord war die von Horst Rakowski zurückgelegte 691-km-Strecke allemal.

Frank-Dieter Lemke/FC Strausberg

 

Nachruf: Andreas Schultz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz vor dem Weihnachtfest 2017 ereilte uns die traurige Nachricht, dass unser ehemaliges Vereinsmitglied und Technischer Leiter, Andreas Schultz, nach schwerer Krankheit am 21. Dezember im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Unter großer Anteilnahme haben wir und mit uns viele Fliegerkameraden am 8. Januar 2018 von ihm für immer Abschied genom-men.

Schon mit 14 Jahren hat er in der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik auf unserem Flugplatz mit dem Segelflug begonnen und sich schon bald für alles, was mit Technik zu tun hat, interessiert. Und so war er dann von 1970 bis 1973 in der NVA am Flugplatz Bautzen als Flugzeugmechaniker an den Schulungsflugzeugen für zukünftige Militärflieger vom Typ L-29 tätig.

Nach dem Armeedienst arbeitete er im Braunkohlen-Kombinat Senftenberg und machte in der GST eine Ausbildung zum Motorflugmechaniker, was zu einer Vielzahl von ehrenamtlichen Tätigkeiten führte. Andreas war über seinen Verein Aero-Club Schwarzheide e.V. hinaus in vielen Fliegerkreisen bekannt. Denn er begleitete auch lange Jahre als Technischer Leiter den Deutschen Präzisionsflug-Verein e.V. bei ihren Wettkämpfen und Meisterschaften und war schon in der damaligen DDR in der Auswahlmannschaft im Präzisionsflug tätig.

Die Liebe zur Fliegerei hat er weiter gegeben und einige unserer Vereinsmitglieder verdan-ken ihm, dass sie mit der Fliegerei begannen und noch heute dabei sind. Auch in der Fa-milie wurde die Fliegertradition auf Sohn und Enkelsohn weiter gereicht. Bis vor einigen Jahren war er noch aktiver UL-Flieger.

Wir verlieren in Andreas Schultz einen immer hilfsbereiten, verantwortungsvollen Flieger-kameraden.

                                                                                  Die Mitglieder des Aero-Club Schwarzheide e.V.